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Der Kurs zum Buch - Ostern 2004
«Aber die Kinder? Die sind doch, wie sie sind, unverstellt und klar. Geht es nicht darum, den paradiesischen Zustand, in dem sich kleine Kinder noch befinden, wieder zu erreichen?» fragt Susanne. «Eben nicht», erwidert Jürgen, «kleine Kinder sind unbewußt, und das Paradies war ein unbewußter Zustand. Wir hatten noch nicht den Apfel vom Baum der Erkenntnis gegessen.» «Den haben wir euch gereicht», sagt Abigail. «War das nicht die Schlange?» fragt Thomas. «Das ist doch das gleiche», sage ich. «Du mit deinem Frauenhass!» entgegnet Armanda. «Ich liebe Frauen», sage ich. «Ich weiß», meint Armanda, «aber es ist nicht immer leicht zu sehen.» «Zurück zum Paradies und zu den kleinen Kindern», sagt Jürgen. «Es geht nicht darum, in einen unbewußten Zustand zurückzugehen, auch nicht ins Paradies, sondern vorwärts ins Nirvana.»
«Auf ins Nirvana!» ruft Abigail und springt auf, aber die anderen wollen ihr nicht folgen. Auch Jürgen bleibt sitzen und fährt fort: «Das ist letztlich ein Zustand wie der, in dem Kinder sich befinden, aber eben nicht unbewußt, sondern total bewußt. Nirvana ist nicht das Himmelreich, ist kein Ort und nicht im Jenseits, sondern hier und jetzt, hier in dieser Taverne. Samsara, der Kreislauf des Werdens und Vergehens, und Nirvana sind identisch. Das eine ist ein teilweise bewußter, das andere ein völlig bewußter, ganz befreiter Zustand, wobei völlige Bewußtheit nicht gleich zur Befreiung führt. Alte Gewohnheiten, also die Karmaformationen, wirken noch. Es braucht auch nach der Erleuchtung etwas Zeit, bis das ganze Leben wirklich neu gesehen werden kann. Zumindest beschrieb der Buddha das so. Man kann es sich so vorstellen: Wenn ich heute Mörder wäre und mich spontan erleuchtete, wäre in diesem Augenblick noch nicht alles anders, aber mir wäre alles voll bewußt. Wenn ich aus alten Gewohnheiten eine unheilsame Handlung begehen wollte, würde ich jetzt die Zusammenhänge erkennen, was ich mir und anderen damit antue. Wenn ich das wirklich erkenne, nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen, ist es nicht mehr möglich, etwas Unheilsames zu tun. So führt Bewußtheit nach und nach in ein befreites Leben.» «Ich sitze hier, habe Durst und kein Bier, das ist Samsara. Ich sitze hier und bekomme ein Bier, schon bin ich im Nirvana!» sagt Thomas. «Nein», widerspricht Jürgen, «aber ich sitze hier ohne Bier und möchte eines haben und alles mögliche andere auch, das ist Samsara. Und ich sitze hier, mit oder ohne Bier und habe alle Wünsche und Begierden fallen gelassen, das ist Nirvana.» Thomas bestellt sich ein Bier.
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