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Guten Abend, meine Damen und Herren!
Ich möchte heute über Meditation sprechen. Immer mehr Menschen im Westen meditieren. Warum tun sie das? Was ist Meditation? Hat das etwas mit Religion zu tun? Wie meditiert man?
Fangen wir mit der letzten Frage an. Üblicherweise meditiert man im Sitzen: Entweder auf einem Sessel oder am Boden, so wie ich hier im Schneidersitz, oder im Knien. Das Gewand soll angenehm und bequem sein, nicht zu eng, damit es nicht einschnürt. Äußerlich sind sich diesbezüglich viele Meditationsmethoden gleich. Man sitzt bequem und aufrecht, hält die Augen halb offen oder geschlossen und dann meditiert man. Die Aufmerksamkeit nach Innen gerichtet, wendet man ganz bestimmte Methoden zur geistigen Schulung an.
Darum geht es: Meditation ist eine Methode zur Übung des Geistes. Es hat nichts mit einer bestimmten Religion zu tun, Christen, Buddhisten und viele andere meditieren. Im Buddhismus gibt es eine besonders alte und reichhaltige Tradition unterschiedlicher Meditationsformen. Aber immer ist es eine Methode mit dem Geist.
Der hat's auch dringend nötig! Der Geist ist ziemlich unruhig. Wenn sie das einmal selbst ausprobieren wollen, sich hinsetzen, die Augen schließen und versuchen eine Zeit lang nichts zu denken oder ganz ruhige Gedanken zu haben, werden sie bemerken wie unruhig es da oben ist. Der Geist wird im Buddhismus mit einem Affen, der ständig hin und her springt, verglichen. Affen sind auch dauernd auf der Suche nach einer Banane oder etwas anderes angenehmen, wonach sie greifen könnten. Unser Geist ist ähnlich.
Wir leben in einer hektischen Zeit. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Ruhe. Leider ist es nicht so, dass man sich hinsetzt und schon ist man ruhig. Es dauert eine Zeit lang bis man Meditation zur Vollendung bringt, aber auch wenn ich Mathematik oder Französisch lernen will, geht das nicht von heute auf morgen.
Was meine ich mit Vollendung? Ein anderes Wort für Meditation ist «geistige Sammlung». Die meisten Menschen haben ihren Geist überhaupt nie gesammelt. Fortwährend haben wir Gedanken. «Was mache ich heute Abend?», «Soll ich zum Heurigen gehen?», «Warum ist mein Chef so ungerecht?», «Warum ist meine Partnerin so lieblos?» Meistens sind an unseren Problemen in unseren Gedanken die anderen Schuld, oft geht es darum, wie es uns besser gehen könnte.
Die Gedanken bewegen sich im Kreis. Aber dort ist nicht die Lösung. Die ergibt sich manches mal, wenn es gelingt genauer hinzuschauen. In der Meditation lernen wir dieses «genaue Hinschauen», das Sehen, wie die Dinge wirklich sind. Wenn ich denke, dass meine Beziehung im Eimer ist, weil meine Partnerin so lieblos ist, komme ich, wenn ich wirklich hinschaue, möglicherweise darauf, dass ich nicht anders bin. Ich erkenne die eigenen Anteile am Scheitern der Beziehung. Dieses Erkennen ist zwar noch nicht die Lösung des Problems, kann jedoch ein erster wichtiger Schritt dazu sein.
Ich spreche hier nur von den psychologischen Problemen - also jenen auf der Ich-Ebene. Bei der Meditation geht es um viel mehr, es geht viel tiefer, aber das läßt sich nicht in fünf Minuten erklären. Es geht immer weiter, von einer Erkenntnisstufe zur nächsten und das dauert länger. Für manche vielleicht Jahre, es kann sogar ein lebenslanger Weg werden.
Diese Reise ins Innere ist es eine abenteuerliche Angelegenheit und wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Ich denke, es ist wahrscheinlich die größte und spannendste Herausforderung, der wir uns überhaupt stellen können.
Vielleicht wollen sie mehr darüber erfahren: sei es in Büchern, über Kursangebote oder die Gruppen, wo man meditieren kann. Sie finden das alles in den Programmen der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (sie liegen vor mir und ich nehme sie in die Hand). Sie können diese über die Wiener Tel. Nr. 512 37 19 anfordern. Im Internet finden sie uns unter www.buddhismus-austria.org oder sie können ein E-mail schicken: oebr@aon.at.
Ich danke ihnen dass sie mir zugehört haben und wünsche ihnen heute Abend noch einen angenehmen ruhigen Geisteszustand.
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