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Lieber Herr MR. Dr. Preißl, meine Damen und Herren! Sind Damen überhaupt hier, ich sehe keine!
Ich danke Ihnen für die Einladung heute Abend. Als mich Herr MR. Dr. Preißl einlud hier bei Ihnen einen Vortrag zu halten, schlug er mir das Thema 'Buddhismus als Machtfaktor' vor. Mir hat das Thema nicht gefallen und ich habe es ziemlich spontan abgelehnt und ein weniger verfängliches Thema vorgeschlagen: 'Buddhismus und Moderne Medizin'.
Danach ließ ich das ganze Thema innerlich fallen und dachte eine Zeit lang nicht mehr daran. Irgend wann mußte ich mich dann aber doch damit auseinandersetzten, was ich Ihnen zu diesem Themen sagen möchte, und sah schon nach kurzer Zeit zwischen den beiden Themenbereichen deutliche Zusammenhänge. Diese liegen in der Beziehung von Medizin, also Wissenschaft und Macht. Ich komme darauf noch zu sprechen, möchte dann aber auch noch einen Bezug zum Buddhismus herstellen.
Zur Zeit herrscht im Westen ein auffallend großes Interesse an östlichen Weisheitslehren und die Frage ist nicht ganz uninteressant, warum das so ist. Zur gleichen Zeit herrscht im Osten ein großes Interesse an westlichem know how und Technologie. Kann es sein, daß beiden Teilen etwas vom anderen fehlt? Das soll dann die eigentliche Frage des Abends werden. Über Medizin und Macht möchte ich nur am Rande sprechen.
Da ich annehme, daß sich die meisten von Ihnen vermutlich nicht genauer mit dem Buddhismus auseinandergesetzt haben, und Sie mich hier als Vorstand der Buddhistischen Kultusgemeinde eingeladen haben, möchte ich zuerst etwas zum Buddhismus sagen. Es wird häufig die Frage gestellt, was Buddhismus eigentlich sei, eine Religion, eine Lebensphilosophie oder eine Wissenschaft. Es ist alles drei davon, je nach Betrachtungsstandpunkt. Religion ist es nur bedingt, nämlich in dem Sinn, als sich Buddhismus auch mit dem Transzendenten, den sogenannten letzten Fragen, mit dem Jenseitigen auseinandersetzt. Es ist aber auf keinen Fall eine Religion im christlich abendländischen Sinn. Es gibt nichts zum Glauben, ja es soll sogar nichts geglaubt werden, auch das nicht, was der Buddha gelehrt hat, es soll alles überprüft werden. In diesem Sinne ist Buddhismus Wissenschaft. Es gibt keine Bewertung und keine Wertesystem. Auch in diesem Sinn ist Buddhismus wieder Wissenschaft. Auch in der Naturwissenschaft wird ja ohne eigene Bewertung, also wertfrei, sogenannt 'objektiv' beobachtet und erst nach der Beobachtung das Resultat mit dem Verstand beurteilt und eingeordnet. Daß ich letztendlich das Objekt gar nicht objektiv beobachten kann, da ich selbst ja das Subjekt bin und daher nur subjektiv beobachten kann, das ist die Problematik jeder wissenschaftlichen Untersuchung, die Problematik der dualen Welt, in der ich von der Welt getrennt bin. Auch darauf komme ich zurück.
Ich möchte hier noch kurz auf die Begriffe Wissenschaft, Medizin und Macht eingehen. Sie müssen nicht unbedingt mit meiner Auffassung einverstanden sein. Über diese Themen, was z.B. Macht ist, kann man lange diskutieren, ich möchte nur versuchen zu zeigen, wie der Buddhismus zu diesen Themen steht. Da kommen wir gleich zu einem ersten wesentlichen Unterschied zwischen östlichem abendländischen Denken. Der Buddhismus kennt den 'absoluten' Standpunkt nicht, das buddhistische Denken spielt sich immer im 'wenn..., dann....' ab. Also in Bedingungen, das ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Ich möchte darauf nicht genauer eingehen, sondern nur noch einmal feststellen, daß ich hier nichts absolutes sage, keine absoluten Wahrheiten verkünden möchte, sondern lediglich sage, wenn man die Dinge so betrachtet, dann sind sie so, wenn Sie, verehrte Zuhörer sie anders betrachten wollen, dann sind sie eben anders. Das ist auch in Ordnung, ich lege keinen Wert darauf, recht haben zu müssen. Mit dem Recht haben müssen, habe ich die letzten 35 Jahre verbracht, das ist genug für ein Leben. Jetzt können ruhig auch einmal die anderen recht haben. Lassen sie sich also nicht von mir überzeugen!
Nun zu Medizin und Macht. Auch das möchte ich nicht absolut behandeln, indem ich sage, Medizin ist das oder das, Macht ist dies oder jenes, sondern ein Hilfsmittel einführen und diese Begriffe auf verschiedenen Ebenen diskutieren.
Dieses 3-Ebenen Modell stellt natürlich, ebenso wie alle anderen derartigen Modelle nicht die objektive Wirklichkeit dar, sondern ist lediglich ein Denkmodell, so wie es auch in der Physik derartige Modelle gibt, es ist dieses Modell nicht die Wirklichkeit selbst. Nach diesem Modell werden drei Ebenen unterschieden, auf denen der Mensch immer gleichzeitig lebt.
Tabelle 1: Drei-Ebenen-Modell des Menschen
1. Ebene Normal-(Körper-)Ebene
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2. Ebene psychologische Ebene (Abgrenzung, Identifikation, Bewertung) |
3. Ebene spirituelle Ebene
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Einheit, (Realität) Paradies Kleinkind, (Tier) unbewußt ich-los sprach-los zeit-los Organ Heilung: westl. Organ-Medizin Instrument der Macht: Waffe |
Trennung Mensch-sein (Samsara) Mensch unbewußt-bewußt ich-haft Sprache Zeit Psyche Psychotherapie
Wort, Geste |
Ganzheit, (Wirklichkeit) Nirwana Heiliger bewußt ich-frei sprach-frei zeit-frei Geist
Meditation, Achtsamkeit
Wissen, Idee |
Auf diese Tabelle werden wir nicht sehr intensiv eingehen können, beachten Sie bitte die letzte Zeile, Sie werden mir vermutlich recht geben, daß das in Bezug auf die jeweilige Ebene die Waffen sind, mit denen Macht ausgeübt wird. Das ist keine Bewertung und keine Hierarchie. Diese Ebenen überschneiden und durchdringen sich, aber sie erkennen vielleicht auch, daß die mittlere, jene der Psychologie, die relativ schwächste ist, mit psychologischer Kriegsführung kann man viel erreichen, ich kann den Mörder mit der Waffe in der Hand zum Aufgeben überreden, aber wenn der nicht will, ja nicht nur das, wenn er mich nicht versteht, ja wenn er mich weder hört noch sieht, dann wird das wenig fruchten. Ganz anders die erste und die letzte, sie sind übrigens nicht wirklich unterschieden. Derjenige, der schießt, der abdrückt, braucht immer den Befehl, die Idee, den Geist dahinter um abzudrücken. Was Macht des Geistes ist, sehen wir an den großen geistigen Bewegungen diese Jahrhunderts, des Sozialismus - Marxismus, Nationalismus - Nationalsozialismus, Kapitalismus usw. denken sie an den Fall des Kommunismus, es waren nicht die Waffen, die ihn zu Fall gebrach haben, es war die gemeinsame Idee, der Zeitgeist, der Geist oder wie immer das nennen will.
Wir sehen also, die Macht hat der, der den Geist, wie soll ich es sagen? beeinflußt? kontrolliert? derjenige, auf den die Menschen hören.
Bevor ich mich dem Thema, Buddhismus als Wissenschaft weiter zuwende, möchte ich noch einmal auf die verschiedene Betrachtungsweise der Dinge im Osten und Westen eingehen, etwas pointiert ausgedrückt, westliches Denken und östlicher Weisheit vergleichen. Sie werden gleich sehen, ich meine damit nicht, daß es im Westen keine Weisen gibt und daß man im Osten nicht denkt, sondern daß das zwei verschiedenen Wege sind, um an die Dinge heranzugehen.
Welche zwei Wege sind das? Westliches (logisches) Denken führt zu Wissen und wir haben hier bei uns im Westen ein enormes Wissen angehäuft. Wir wissen fast alles, wie man Raketen baut, die Weltwirtschaft ankurbelt und reich wird, komplizierte Krankheiten heilt, viel Gutes (Heilsames) und auch weniger Gutes (Unheilsames). Ich möchte das nicht bewerten sondern unterscheiden. Wir haben also viel Wissen angehäuft, aber Wissen ist noch nicht Weisheit. Erst das im Leben angewendete Wissen führt durch bewußte Erfahrung zu Weisheit. Nehmen Sie als Beispiel einen Arzt, einen Chirurgen, der alle Operationsmethoden an der Universitätsklinik gelernt hat, erst in seiner medizinischen Praxis kann er durch Erfahrung eventuell ein weiser Arzt werden. Es gibt ja nicht nur im Osten weise Menschen, die durch ihre Erfahrung und ihre Bewußtheit zu Weisen wurde, aber im Osten wurde ganz spezielle Übungswege und Methoden gelehrt, die über Erfahrung und einen Bewußtwerdeprozeß zu Weisheit führen. Denken und Erfahrung sind also quasi zwei unterschiedliche Methoden, um zu einem Ziel, nämlich der Erforschung von Dingen zu kommen.
Darum geht es nämlich, der Erforschung der Welt, das ist Wissenschaft und wer das Wissen hat, hat auch die Macht.
Was ist nun der eigentliche Unterschied zwischen dem westlichen und östlichen Weg der Erforschung der Welt und vor allen Dingen, können wir vom Osten etwas lernen und würde uns das bereichern. Im ideellen Sinn, nicht im materiellen bereichern, das ist die Frage. Im Westen haben wir gelernt das Außen mit Hilfe unseres Denkens und der naturwissenschaftlichen Beobachtung zu erforschen, im Osten wurde der umgekehrte Weg gegangen, es wird das Innen durch Selbstbeobachtung erforscht. Beides führt durch Untersuchung zum Erkennen der Struktur des Untersuchten, des Beobachtungsobjektes.
Im folgenden möchte ich diese beiden unterschiedlichen Methoden noch genauer unterscheiden und außerdem möchte ich untersuchen, ob die Zeit vielleicht gekommen ist, dies beiden unterschiedlichen Methoden gemeinsam anwenden zu können. Ich komme noch einmal zur gegenseitigen Beziehung und Beeinflussung von West und Ost zurück. Sie wissen ja alle, daß westliche Errungenschaften, Denken, Fortschritt , Wissenschaft, Naturwissenschaft schon seit einigen Jahrzehnten, ja eigentlich, wenn man die Kolonialzeit mit einbezieht seit einigen Jahrhunderten in den Osten vorgedrungen sind und diesen Osten ganz entscheidend beeinflußt haben, teilweise ziemlich umgeändert haben.
In all diesen Ländern ist durch westlichen Einfluß Revolutionäres geschehen, denken Sie nur an China und den westlichen Marxismus, an Japan, das heute in einigen Aspekten von einer westlichen Industriemacht fast nicht mehr unterschieden werden kann, aber auch Indien hat sich unter dem Einfluß der Engländer, später unter dem Vorbild der Russen und Amerikaner enorm gewandelt.
Und nun beginnt sei ca 3 Jahrzehnten ein gegenläufiger Effekt, östliches Gedankengut, östliche Methoden, kommen in den Westen und gewinnen hier zunehmend an Bedeutung. Das sogenannte ganzheitliche oder vernetzte Denken, die holistische Medizin, holistische Wirtschaft, all das kommt aus dem Osten, die Akupunktur, 10 % der Bevölkerung bei uns interessieren sich intensiv für Yoga und Meditation, christliche Religionen verzeichnen zunehmend Austritte, der Buddhismus zB. zunehmend Zuwächse. Vielleicht sind das alles kurzfristige Modeerscheinungen, vielleicht ist es mehr. Aber wenn es eine längerfristige Entwicklung ist, müssen wir uns damit auseinandersetzen und uns auch die Frage stellen, ob das den Westen bereichert oder ob wir, wie das oft auch gesagt wird, dann auf den Standard eines Dritten Welt Landes zurückfallen. Vielleicht kommen wir diesen Fragen näher, wenn wir uns wieder den beiden Themen des Abends zuwenden, der Frage nach 'Macht' einerseits und dem Unterschied zwischen westlichen Denken und östlicher Weisheit, und was damit überhaupt gemeint ist, andererseits.
Gehen wir zuerst zur Macht. Es gibt Macht in verschiedenen Bereichen, auf den verschiedenen Ebenen. Schauen wir uns diese Bereiche anhand eines Flugzeugentführung an. Da ist die Macht der nackten Gewalt im körperlichen Bereich, also die Macht desjenigen der die Pistole in der Hand hat, dann die psychologische Macht, also desjenigen, der den Entführer mit psychologischen Methoden zum Aufgeben überredet, und die geistige Macht, also desjenigen, der das revolutionäre oder politische Ziel vorgegeben hat, nach dem der Entführer handelt.
Wir sind also so weit vorgedrungen, daß wir festgestellt haben, 'Geist' ist ein großer Machtfaktor, aber nicht absolut, sondern nur relativ. Der Widerstandskämpfer mit der Pistole in der Hand, kann den Diktator, der den Geist der Menschen beeinflußt, der das Buch geschrieben hat, in dem die Lehre steht, erschießen. Es wird sich dann zeigen, wie stark seine Idee, sein Geist war, ob sie bestehen bleiben wird.
Wenn sie bisher mit dem Gesagten so im Großen und Ganzen einverstanden waren, so können wir jetzt gemeinsam feststellen, daß man mit Forschung zu Wissen gelangt und daß der, der das Wissen hat, auch die Macht hat. Ich weiß schon, das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber das ist ja auch nicht das Thema, sondern das Thema ist ja, den Unterschied zwischen dem Weg im Westen und im Osten zu zeigen und auf die unterschiedliche Art der Macht, die daraus entsteht, hinweisen.
Der westliche Forscher erforscht das Außen, das tut er mit Hilfe seiner Beobachtung, mit Hilfe seines Denkens und seines Verstandes, er erkennt damit die Dinge von außen und erhält Erkenntnis von außen und damit Macht über die Dinge von außen. Er löst damit die Probleme von außen. Der östliche, wie soll ich ihn nennen, das beste Wort ist vielleicht Suchender, also der östliche Suchende erforscht die Dinge von innen, er blickt nicht nach außen, er blickt in sich hinein. Wenn wir noch einmal zur naturwissenschaftlichen Forschung des Westens zurückkehren und das semantisch betrachten, so erforscht hier ein Subjekt, der Forscher, subjektiv ein Objekt, wirklich objektiv kann er es gar nicht erforschen, Subjekt und Objekt sind getrennt, das ist Dualität. Der östliche Suchende, erforscht sich selbst. Er (Subjekt) beobachtet sich selbst (Objekt). Der Beobachter und das Beobachtete sind identisch. Hier, ist das der einzige, Ort kann ich nicht sagen, die einzige Möglichkeit der Überwindung der Dualität. Das ist also eine gegensätzliche Betrachtungsweise, das Erkennen ist nach innen gerichtet, ich bekomme also Wissen, Erkenntnis und Macht über mich. Dadurch kommt es zur Überwindung der Dualität und zum Erkennen der letzten Struktur der Dinge. Und dieses Erkennen der Struktur des Ganzen kann ich dann wiederum auf anderen Ebenen anwenden.
Das alles ist nicht ganz einfach und ich möchte ich an einem Beispiel erläutern, wie ich das meine. Dem Problem eines Berufes und des Geld verdienens. Wenn ich einen Beruf ergreife, weiß ich nichts von der Struktur des Berufes, ich lerne Detailwissen und plage mich an der Oberfläche herum, es geht nichts weiter, ich verdiene auch kein Geld. Wenn ich von der Oberfläche in die Tiefe gehe, komme ich zur Struktur. Ein Freund von mir, z.B. ist im Zeitungsgeschäft, er ist seit 10 Jahren in diesem Geschäft, er kennt die Struktur. Die meisten kennen auch nach 10 Jahren noch nicht die Struktur, aber er kennt sie. Unlängst sollte er für einen deutschen Konzern eine große Berliner Tageszeitung kaufen. Er fuhr hin und noch bevor die Konkurrenz zu untersuchen und zu denken begann, hat er sie gekauft. Er konnte sie deshalb so rasch kaufen, denn er kannte die Struktur dieses Geschäftes. Es ist auf der ganzen Welt immer die gleiche. Wo andere komplizierte Details analysierten, blickte er auf die Struktur. Wer sich unter Struktur nichts vorstellen kann, wird das nicht verstehen, wer die Struktur von etwas kennt, dem ist das klar. Und dahinter, hinter der Struktur des Zeitungskaufes liegen andere Strukturen, z.B. die Struktur des Geldverdienens. Wer die erkannt hat, kann immer Geld verdienen, in allen Berufen und in allen Bereichen und so kommen wir von einer Strukturebene zur nächsten.
So ähnlich ist es auch bei der Beobachtung nach Innen. Man kommt von einer Strukturebene zur nächsten und dann irgend wann zur Struktur des Menschseins selbst, zuletzt zur Struktur des Ganzen und in einem allerletzten Schritt kann über die Strukturebene selbst hinausgegangen werden. Wir sind jetzt schon weit in der Spekulation und für denjenigen, der nicht dort ist, ist es auch müßig darüber zu spekulieren, für denjenigen, der die Struktur erkannt hat, stellt sich die Frage nicht. Für meine Freund stellt sich nicht die Frage, ob er die Struktur des Zeitungsgeschäftes erkannt hat, er weiß, daß er sie erkannt hat und er ist die Struktur. Das war natürlich nur ein Beispiel. An diesem wollte ich zeigen, daß es für jeden sichtbaren Bereich, zum Beispiel den Bereich des beruflichen Erfolges oder des Geldverdienens, dahinter einen unsichtbaren Bereich auf der Strukturebene gibt und dieser Bereich liegt im Geist selbst. Auf tieferliegenden Strukturebenen können die darüberliegenden, die ja durchschritten wurden, bei sich selbst und bei anderen erkannt werden. Denn bei der Beobachtung nach innen werden ja nicht nur derart oberflächliche Bereiche erkannt, wie ich sie vorhin schilderte, sondern die Struktur des menschlichen Geistes selbst und letztendlich auch das, was dahinter liegt. Das ist die Macht des Geistes.
Wie steht das ganze zum Thema des Abends. Ich möchte noch einmal zusammenfassen. Wissen ist Macht. Wissen wird durch wertfreies Beobachten und Einordnen erlangt. Man kann das Außen beobachten und einordnen, das ist die Domäne des Westens gewesen, man kann das Innen beobachten und einordnen, also erforschen, das ist die Domäne des Ostens gewesen. Beides zu tun ist eine Bereicherung, wer beides tut, hat mehr. Daß er dadurch schlußendlich weniger hat, und daß gerade dieses 'weniger' das mehr ist, ist das Paradox. Daß er sich dadurch ständig mit Paradoxieen auseinandersetzen wird müssen, ist eine Erfahrung. Diese Erfahrung haben aber auch alle Natur- und Geisteswissenschaftler gemacht, Physiker und Philosophen, die an Grenzen gestoßen sind und über diese Grenzen hinausgegangen sind.
Sie sehen, ich habe nichts über Buddhismus und Medizin gesagt, denn die buddhistische Übung spielt sich, wie gesagt, zumindest am Anfang im Innenbereich ab. Hier kann jedoch kein anderer etwas für mich tun, ich muß alles selbst tun. Der Innenbereich, die Innenwelt ist außerdem der Bereich des Nicht-Handels, nur in der äußeren Welt wird gehandelt. Wer sich diesem Innenbereich zuwendet, der durchschreitet, bevor er die spirituelle Ebene erreicht, zuerst die psychologische Ebene. Ohne Heilung dieser Ebene, ist ein spirituelles, also geistiges Erwachen nicht möglich. Obwohl Meditation also keine Therapie ist, kommt es doch für denjenigen, der in diese Bereiche vordringen kann, zu einer psychologischen Heilung und damit auch einer Heilung aller jener Erkrankungen, die psychisch bedingt sind. Aber nicht der andere kann mich heilen, ich muß es selbst tun. Das ist in der Psychotherapie ja ähnlich. Der Arzt, der Heiler, der Lehrer kann nur die Situation, die Umgebung bereiten, in der diese Heilung möglich ist.
Ich möchte hier aufhören, vielleicht haben Sie einige Frage. Ich konnte nur einen Teilaspekt des Themas behandeln. Ich habe vor allem die Ethik und die Methodik, wie nämlich der Geist den Geist beobachtet, weggelassen, außerdem habe ich weggelassen, wie Ethik, Wissen und Sammlung des Geistes in Beziehung zueinander stehen und vor allem die Stufen des geistigen Weges, die über Angst, zu Erkenntnis und Macht führen und vor allem auch darüber nicht gesprochen, was jenseits der Macht kommt.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
Inhalt: Interesse des Westens am Osten und umgekehrt - warum? - fehlt etwas, Auseinandersetzung ist notwendig. Buddhismus: Weltanschauung - Wissenschaft - Religion Medizin und Macht Wissen ist Macht Wie komme ich zu Wissen Westliches Denken und östliche Weisheit Untersuchung des Innen und des Außen Überwindung der Dualität Sehen der Struktur
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