Reproduktionsmedizin und Buddhismus
Jahrestagung der Österreichischen IVF-Gesellschaft, Pörtschach, 30.9.2004 – 2.10.2004
Beitrag von Peter Riedl im Rahmen der Podiumsdiskussion:
„Die Reproduktionsmedizin im Lichte der Weltreligionen“

Der offizielle buddhistische Standpunkt zur In-Vitro-Fertilasition (IVF) ist einfach: es gibt keinen! Ebenso gibt es keinen unveränderlichen buddhistischen Standpunkt zu irgendwelchen anderen Dingen auf dieser Welt. Buddhismus ist keine Religion der Welterklärung, weder eine theistische noch eine nicht-theistische Religion, sondern ein Erkenntnisweg des Menschen. Da es keine „Höheren Wahrheiten“, keine Ge- oder Verbote, noch ein Gut oder Böse gibt, gibt es zu diesem Thema auch keinen verbindlichen Standpunkt.
Aber natürlich kann man aus der buddhistischen Lehre, der tiefgründigen Ethik und aus der eigenen, in der Meditation gewonnenen Erfahrung, einen derartigen ableiten. Er wird jedoch nicht, wie in anderen Religionen, z.B. auf einem Konzil festgelegt und ist daher auch nicht für alle Mitglieder rechtsverbindlich.
Ethisches Verhalten reicht über jenes der meisten anderen Religionen hinaus. Es ist in den Silas, das sind Übungsempfehlungen, niedergelegt.
Ich möchte nun zuerst noch der Frage nachgehen, warum es keine Gebote und nur Empfehlungen gibt. Bedeutet das, dass ein Buddhist tun und lassen kann, was er oder sie möchte, lügen, betrügen oder stehlen? Natürlich nicht. Aber die Entscheidung zu ethischen Verhalten wird dem einzelnen in voller Eigenverantwortung überlassen, es gibt keine weltliche oder überweltliche Instanz, die sie einfordert. Buddha Shakyamuni hat die unabdingbare Notwendigkeit ein ethisches Leben zu führen sehr wohl erkannt, er hat aber auch erkannt, dass das Einhalten ethischer Gebote nur auf freiwilliger Basis erfolgen kann.
Es gibt verschiedene Gründe ein ethisches Leben zu führen. Wirklich gelingen wird es jedoch erst, wenn Einsicht, Vertrauen oder Verständnis die Grundlage sind. Blinder Gehorsam oder blinder Glaube, kann zwar auch dazu führen, das handeln wird jedoch immer fragmentarisch bleiben.
Buddhismus ist keine Offenbarungsreligion, sie wurde nicht von einem Messias verkündet, sie ist ein von einem Menschen, nämlich Buddha Shakyamuni, verkündeter Erkenntnisweg. Als solcher steht er der Wissenschaft näher und so wie in Wissenschaft üblich, wird der Suchende aufgefordert alles zu hinterfragen, nichts zu glauben, auch nicht das, was Buddha selbst verkündet hat. Alles soll selbst untersucht werden und nur das, was man als richtig erkannt hat, ist anzunehmen. Am Beginn meines eigenen buddhistischen Weges war mir dieser moderne, weltoffene Ansatz, der zu Kritik und Untersuchung auffordert, der dem Menschen nichts aufzwingt, sehr wichtig.
Buddha unterscheidet nicht in Gut oder Schlecht, sehr wohl aber in Heilsam und Unheilsam, wobei nicht die Handlung selbst das entscheidende ist, sondern die dahinter liegende Absicht. Es ist daher ein Unterschied, ob eine unheilsame Handlung, lügen oder stehlen, aus Gehorsam oder Angst nicht begangen wird oder aus Liebe und Mitgefühl unterlassen wird. Alles was aus Güte, Freundschaft, Liebe, Großzügigkeit geschieht, wird – unabhängig vom unmittelbaren Resultat – als heilsam angesehen, und alles was aus Begehren, Ärger, Gewinnstreben, Wut geschieht, als unheilsam.
Er meint, wir leiden an unserem Ärger, an der Eifersucht, dem Ehrgeiz und sein Ziel ist ein gelassenes, liebvolles Leben. Die Übungsempfehlungen für ein ethisches Leben sind den christlichen Geboten ähnlich, gehen in ihrer Reichweite jedoch über diese hinaus.
Das erste Sila lautet, man „möge sich üben, keinem Lebewesen zu schaden“, das beinhaltet viel mehr als nur nicht zu töten. Es sollen nicht nur kleine körperliche, sondern auch psychische Verletzungen vermieden werden, ebenso das Kränken, Demütigen, Drangsalieren, Schlagen und so weiter. Das Nicht-Töten wird auf alle Lebewesen, also auch auf Tiere bis zu Mücken und Gelsen ausgeweitet. Im 2. „möge man sich üben, nichts zu nehmen, was einem nicht gegeben wurde“, also keinen Gedanken des anderen als den eigenen ausgeben, man denke an abgeschriebene wissenschaftliche Publikationen, nichts behalten, was ich finde, und nicht das Kleinste nehmen, was mir nicht gehört. Die 3 übrigen lauten dann, man möge sich üben, keine unrechte Rede zu führen, keinen falschen Gebrauch der Sinne machen und seinen Geist nicht zu trüben.
Die ersten beiden können wir zur Klärung heranziehen, wie Buddhismus zur IVF steht. Es kommt auf die Absicht, der an dem Akt beteiligten an, auf die verantwortlichen Ärzte, auf die Eltern. Ist ihre Absicht heilsam oder unheilsam? Handeln sie mit Verantwortung gegenüber menschlichen Leben, mit der Absicht helfen zu wollen oder aus ausschließlich aus Gewinnstreben und Begehren. Wobei es buddhistisch gesehen nicht schlecht ist, für seine Tätigkeit eine materielle Vergütung zu bekommen. So wie immer, ist die Verhältnismäßigkeit im Auge zu behalten und was mit dem Gewinn gemacht wird. Wird er mit anderen geteilt, Familie und Umwelt, ist nichts einzuwenden, steht unendliche Gewinnmaximierung im Vordergrund, ist sie nicht heilsam, macht auch nicht wirklich glücklich. Wer wüsste das nicht besser als wir Ärzte!?
Sie sehen, der buddhistische Standpunkt ist relativ einfach. Buddhismus und Medizin sind sich nicht unähnlich. Buddha hat sich selbst als Arzt gesehen. So wie Medizin eine Linderung und Heilung des körperlichen Leidens bewirken möchte, möchte Buddha einen Weg aus dem geistigen, also dem seelischen, psychischen Leiden zeigen, wobei beide Begriffe, Psyche und Seele, nicht verwendet werden. Nach seiner Erkenntnis, wird fast alles, was wir als unreife, egoistische, in unsere Neurosen verstrickte Menschen tun, ein unheilsames Ergebnis zeitigen. Erst, wenn wir gelernt haben über die eigenen Bedürfnisse hinauszuschauen, in seiner Diktion gelernt haben egolos, bzw. absichtslos zu handeln, wird das, was wir tun, für uns selbst und andere heilsam sein.
Vielleicht fragen sie jetzt noch: und was ist mit der Wiedergeburt und diesen Dingen? Es hat für unsere Fragestellung keine große Bedeutung. Es ist damit auch nicht gemeint, dass der Herr Müller als Frau Maier wiedergeboren wird. Geburt und Tod sind Ereignisse auf einer relativen Ebene. Auf einer höheren, nennen wir sie nun spirituell oder was immer, gibt es weder Geburt noch Tod. Aber das führt uns jetzt ganz tief in Buddhistische Philosophie und Erkenntnis und deshalb möchte ich jetzt hier aufhören.
Handhaben sie die IVF verantwortungsvoll und mit Liebe gegenüber dem menschlichen Leben, sieht buddhistische Erkenntnis kein Problem darin. Wird sie schlampig, gedankenlos, ausschließlich zur schrankenlosen Gewinnmaximierung oder lieblos durchgeführt, ist sie abzulehnen. Es liegt also nicht in der Handlung selbst, sondern in der Absicht, wie IVF zu bewerten ist, das gilt so für alles im Buddhismus.



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  The importance of Buddhism in western world
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  Buddhismus und moderne Medizin oder Buddhismus als Machtfaktor